Bericht vom Spiel der Herren I gegen Erl./Niederlindach

Ausgerechnet der Ex-Niederlindacher Marco Jonas netzte für die TSH zehn Mal ein. © Foto: Ralf Rödel

TSH behält Heft in der Hand
Herzogenaurach gewinnt verdient gegen die HSG

In einem zwar körperbetonten, jedoch nicht unfairen Lokalderby gewann die 1. Herrenmannschaft der TS Herzogenaurach das BOL-Lokalderby vor knapp 100 Zuschauern gegen die HSG SGS Erlangen/HC Niederlindach auch in dieser Höhe verdient mit 28:23 (Halbzeit 14:10) Toren.

Es hat zweifellos schon dramatischere Begegnungen zwischen diesen beiden Teams gegeben, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass der Spielausgang für den restlichen Saisonverlauf keine wesentliche Rolle spielen wird. Dennoch stehen solche Spiele stets unter einem typischen Lokalkolorit. Das Vorspiel hatte die HSG im November 2017 in eigener Halle noch deutlich mit 31:24 für sich entscheiden können. Doch auch wenn das Kundmüller-Team nun den Spieß mit "nur" fünf Toren Unterschied umdrehen konnte, hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, als würden die Gäste neuerlich gewinnen.

Die personell dezimierte TS-Mannschaft zeigte die über 60 Minuten hinweg bessere Spielanlage, war ausgeglichener besetzt und auf allen Positionen torgefährlich, zudem wirkte man im Abwehrverbund kompakter. Auch verlor die TSH zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über das Geschehen.

Keeper brillierte
Am Sonntag waren es drei Details, welche das Geschehen prägten. Da war zunächst eine hervorragende Torhüterleistung von Ferdinand Mayer im Gehäuse der TSH. Der Keeper ließ die Gästeangreifer 30 Minuten lang bei freien Würfen vom Kreis reihenweise verzweifeln, mit stoischer Ruhe und tollen Reaktionen verhalf er seinem Team auch psychologisch bald zu einem Übergewicht. Zudem verstand es das Kundmüller-Team fast durchgängig die "Marschrichtung" einzuhalten, wozu gerade auch Spielmacher Jonas Hirning beitrug, indem man speziell die vor der Pause vom Gegner praktizierte 5-1 Abwehrformation geschickt aushebelte.

Und dann war da noch eine im zweiten Spielabschnitt schwerlich nachvollziehbare "Änderung" im Angriffsaufbau der HSG, die es in den ersten 30 Minuten, neben vielen guten Kreisanspielen, immer wieder schafften, ihren großartigen Linksaußen Robin Schmieding in Szene zu setzen. Ihm gelang es als einzigem Gästeangreifer, selbst aus spitzem Winkel Torhüter Mayer in Verlegenheit zu bringen. Zum Unwillen von Ingo Kundmüller, der zuvor gerade auf diese Gefahr hingewiesen hatte. Warum Schmieding nach der Pause aber so gut wie ohne Ballkontakt blieb und die HSG immer wieder den Durchbruch über den gut funktionierenden Innenblock der TSH suchte, konnte HSG-Coach Walter Anhäuser auch lange nach dem Abpfiff nicht erklären.

Dabei verfügte seine Mannschaft mit Lukas Hückel ebenfalls über einen ausgezeichneten Torhüter, wie überhaupt auf dieser Position durchgängig höherklassiges Niveau zu sehen war, da auch der für die TSH nach der Pause eingesetzte Torwart Kai Kammerer fast nahtlos an die Topleistungen seines Kollegen anschließen konnte.

Der Spielverlauf lässt erkennen, dass sich die Gastgeber zwar nie entscheidend absetzen konnten, und dennoch war man insgesamt "wacher". Nur dem unermüdlichen Kampfgeist des Nachbarn war es geschuldet, dass die Partie nie einseitig wurde.

Über 4:3 (8. Minute) kam es in der 24. Minute beim 14:8 zur höchsten Führung der TSH, doch jedem war klar, dass dies noch keine Vorentscheidung sein würde. Auch im zweiten Spielabschnitt (42. Minute 18:16, 57. Minute 25:22) schien noch alles möglich. Dennoch konnten die Gastgeber die Begegnung auch dank der individuellen Klasse von Wonner und dem Ex- HSGler Jonas durchgängig dominieren. Kundmüller: "Wir waren konsequenter und haben weniger Fehler gemacht. Wegen der personellen Ausfälle sind wir enger zusammengerückt, das haben die Jungs richtig gutgemacht".

Anhäuser: "Wir waren in der Abwehr zu passiv, zudem haben wir einfach zu viele klare Chancen vergeben."

Torschützen TSH: Theiss 3, Hirning 2, Tobias Wayand 1, Janson 1, Wonner 7, Bellmann 2, Freund 1, Jonas 10/4 und Hagen 1.

HSG: Boolzen 3, Gilg 1, Stübinger 7, Willert 3, Schmieding 7/2 und Sackmann 2.

Bericht aus "Nordbayerische Nachrichten" von V. Schneller
© Foto: Ralf Rödel