Bericht vom Heimspiel der Damen I gegen Regensburg

Sinnbild der Entschlossenheit: So energisch wie  Stefanie Mittasch zeigte sich das gesamte Team. © Athina Tsimplostefanaki

Damen I wie im Rausch
Sensationeller 27:20-Sieg gegen Favorit Regensburg

Rund 400 Zuschauer, unter ihnen zahlreiche Fans aus Regensburg, haben in der Herzogenauracher Gymnasiumshalle den so nie erwarteten 27:20 (11:11)-Sieg des personell arg gebeutelten Aufsteigers TSH gegen den Favoriten ESV Regensburg erlebt.

Es war aus Sicht der Gastgeberinnen in jeder Hinsicht ein denkwürdiges Spiel, denn man musste ja nicht nur auf vier verletzte Topkräfte verzichten, sondern hatte noch an der Pleite gegen den Vorletzten SG OBK vor einer Woche zu knabbern. Was das Team von Mirko Scholten und Klaus Watzinger dann aber 60 Minuten lang an Einsatz, Moral und letztlich auch spielerischer Klasse ablieferte, war rundum phantastisch.

Die Gäste von Trainer Gömmel begannen selbstsicher und blieben in der ersten Halbzeit lange Zeit mit bis zu drei Treffern in Front (8:5 in der 14. Minute). Die Mannschaft um Nationalspielerin Franzi Peter wirkte abgeklärter und es schien so, als könne sie bei Bedarf jederzeit einen Zahn zulegen.

Allerdings erwiesen sich das TSH-Rumpfteam schon hier als äußerst unangenehmer Widersacher, "verbiss" sich quasi in den Gegner und schaffte es mit vereinten Kräften auch offensiv auf Augenhöhe zu bleiben. Wo der ESV etwas "runder" im Spielaufbau wirkte, kam die TSH vielfach durch energische Einzelaktionen zu etwas Zählbarem und schaffte es mit aufopferungsvoller Abwehrarbeit den ESV langsam aus dem Rhythmus zu bringen. Der Halbzeitstand von 11:11 war daher nicht unlogisch.

Kristin Lang, Lisa Neumann und im Wechsel auch Steffi Mittasch hatten einen Innenblock aus Zement angerührt. Das alleine hätte freilich nicht gereicht, wenn nicht TSH-Torfrau Martina Ebersberger über sich hinaus gewachsen wäre und zahlreiche Glanztaten ablieferte. Während sie sonst öfter mal resigniert, wenn sie nicht ins Spiel findet, schien sie wie ausgewechselt. Dass dann auch noch einige ihrer unnachahmlichen Pässe über 30 Meter punktgenau ankamen, rundet ihre großartige Partie ab.

Darauf aufbauend konnten sich ihre Vorderleute kontinuierlich steigern und zeigten in der zweiten Hälfte nicht nur erfolgreiche Ballpassagen, sondern nutzten die gewaltige Wurfstärke der jungen Laura Wedrich, die wohl an diesem Tage überragende Feldspielerin. Dies um so mehr, weil sie schon in der 12. Minute die zweite Zeitstrafe kassiert hatte und fortan in der Abwehr kaum noch eingesetzt werden konnte.

Bis zur 40. Minute konnte der ESV dagegen halten (16:16), danach jedoch schaffte die TSH einen vorentscheidenden 21:16-Führung. Danach wurde man diesmal trotz schwindender Kräfte rvon einer großartigen Euphorie zum Sieg getragen. In einer zwar kampfbetonten, aber trotz vieler Zeitstrafen auf beiden Seiten weitgehend fairen Partie hatte die TSH an diesem Tage in Sachen Konsequenz ein Plus und war auch ausgeglichener besetzt, hatte im Tor deutliche Vorteile.

Auffallend war dass die sonst so großartige Spielmacherin der Regensburger Natascha Weber diesmal kaum zur Entfaltung kam. Toll, wie Saskia Probst die eher ungewohnte Position im rechten Rückraum ausfüllte, mit welcher Entschlossenheit sich Lisa Neumann und Laila Schneidereit in die Zweikämpfe stürzten und selbst die nach einem Jahr reaktivierte Lena Mergner trug ihren Teil zum Erfolg bei. Bliebt nur zu hoffen, dass nicht auch noch Sarah Stephan ausfällt, die ich drei Minuten vor dem Abpfiff bei einem Zusammenprall verletzte.

Trainer Mirko Scholten: "Das wurde heute auch im Kopf entschieden und besonders erfreut bin ich über die geschlossene Mannschaftsleistung. Warum wir diese aber primär gegen an sich favorisierte Gegner abrufen können, müssen wir noch ergründen". Mit diesem Auftritt aber sollte man durchaus aus eigener Kraft die Klasse halten können

TSH: Ebersberger, Gerling; Stephan 5, Wedrich 10/4, Mittasch 1, Probst 4/1, Schneidereit, Mergner, Lang 1, Merz, Küffner 2, Theobald, Neumann 4.

Bericht aus "Nordbayerische Nachrichten" von V.Schneller
Foto © Athina Tsimplostefanaki