Bericht vom Spiel der Damen I gegen OBK

"Leichtigkeit ist vorbei"
Herzogenauracherinnen gehen im Kellerduell 25:31 unter

Mit angemessener Zuversicht waren die Drittliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach ihre Reise zum Tabellennachbarn SG OBK Ottenheim/Bellheim/Kurhardt angetreten – desillusioniert nach einer 25:31-Niederlage kehrten sie heim.

Natürlich ist es vermessen zu erwarten, dass ein Aufsteiger den langfristigen Verletzungsausfall von vier Leistungsträgerinnen (Lichtscheidel, Egle, Bestle und Mittelheisser) dauerhaft kompensieren kann, wenngleich die 40 glanzvollen Minuten im jüngsten Heimspiel gegen Möglingen durchaus optimistisch stimmten. "Wir haben gegen Möglingen vermutlich in die ersten 30 Minuten zu viel investiert und konnten dann nicht mehr dagegenhalten. Wir müssen daher versuchen eine bessere Balance für 60 Minuten zu finden", so TSH-Coach Klaus Watzinger vor der Begegnung in der Südpfalz.

Dieser Versuch aber ging dann völlig daneben, denn nur die ersten drei Minuten blieben die Gäste aus Mittelfranken auf Augenhöhe (2:3). Was dann kam, war ein kollektiver Einbruch, den auch der Trainer nur schwerlich zu erklären wusste. OBK, bis dato immerhin nur mit drei Pluspunkten auf der Habenseite, zerlegte mit einem Sturmlauf ihren Gegner fast ausschließlich über die zweite Angriffswelle, indem man die unzähligen technischen Fehler der TSH konsequent zur leichten Toren nutzte. 10:2 (16.) und gar 14:4 (23.) lagen die Gastgeberinnen eigentlich schon vor dem Halbzeitpfiff uneinholbar in Front.

Und das fiel ihnen gar nicht schwer, weil die Herzogenauracherinnen brav mitspielten. Die SG OBK konnte in dieser Phase zehn Fehlwürfe und erfolglose Kreisanspiele der Gäste sofort in Gegenstöße ummünzen. Eine Vorentscheidung, welche die Südpfälzerinnen nur wenig Kraft gekostet hatte, ihnen aber für die restliche Spielzeit psychologisch den entscheidenden "Kick" gab.

Es spricht für die Moral und die Qualität der TSH, dass sie nun in nur sieben Minuten einen 6:0-Lauf schaffte (10:14) und mit dem Gang in die Halbzeitpause durchaus neue Hoffnungen mitnehmen konnte.

Doch auch das sofortige 11:14 nach dem Wiederanpfiff konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass die Gastgeberinnen in den wesentlichen Belangen schlichtweg besser waren und offensichtlich auch psychologisch mit dem Druck viel besser umgehen konnten. Daher war trotz des Wiederstandes der Gäste der Erfolg nie gefährdet, zumal man sich auch weiterhin auf die unerklärlichen Fehler der TSH "verlassen" konnte.

Als Watzinger dann auch noch situationsbedingt kurz vor dem Abpfiff eine offene Deckung anordnete, sorgten die immer einen Tick schnelleren und vor allem sichereren Gastgeberinnen für klare Verhältnisse. Was besonders nachdenklich stimmt: OBK zeigte keine Topleistung. Stattdessen zeigte man im wesentlichen jene Tugenden, die der Gegner eigentlich erkannt und auf die man sich auch eingestellt zu haben glaubte.

Während bei OBK wie erwartet Christina Völker (sieben Tore) speziell nach der Pause, als es darum ging, den "Aufwind" des Gegners in Schranken zu halten, sowie Kreisläuferin Meike Silaghi (6) treffermäßig am meisten in Erscheinung traten, waren bei der TSH Laura Wedrich, die sich im Möglingen-Spiel einen Nasenbruch zugezogen hatte, und Saskia Probst, die öfter im Rückraum aushelfen musste, am häufigsten erfolgreich.

Wirklich zufrieden war Trainer Watzinger aber primär mit Alina Erdmann, die das Pech hatte, dass ihr weitere drei Rückraumtreffer wegen falscher Schrittauslegung durch die Schiedsrichter verweigert wurden. Auch von der Abwehrleistung von Corinna Merz war der Coach durchaus angetan, ansonsten jedoch konnte er sich nur über die "durchgängig gute Moral in der Mannschaft" freuen.

"Nun ist die Leichtigkeit leider vorbei, müssen wir einiges hinterfragen, auch ich mich selbst", so der Trainer. Niemand im Lager der TSH konnte davon ausgehen, dass man auch in der Rückrunde den Topteams wieder Punkte abknöpfen wird, gerade bei der personellen Situation. Nun jedoch wird dies fast schon ein "Muss", doch ob man damit schon nächste Woche im Derby gegen den Favoriten ESV Regensburg beginnen kann, hängt auch davon ab, wie man das OBK- Spiel nebst Ergebnis verarbeitet.

TSH: Ebersberger, Kauer; Stephan 4, Wedrich 7/2, Mittasch, Probst 5, Schneidereit, Lang 1, Merz, Erdmann 2, Theobald 2, Küffner 1, Neumann 3.

Bericht aus "Nordbayerische Nachrichten" von VOLKER SCHNELLER