Bericht vom Heimspiel der Damen I gegen Ketsch

Gegen Ketsch war für die Damen nur schwer durchzukommen. © ROLAND G HUBER

Rückschlag im Abstiegskrimi
Niederlage und Verletzungspech für die Damen

"Kurpfalzbären auf der Jagd" steht auf dem Teambus der TSG Ketsch – und in Franken haben die Jägerinnen reichlich Beute gemacht. Zwei ganz wichtige Punkte tragen sie von der TS Herzogenaurach mit nach Hause. Noch schlimmer für die Gastgeberinnen: Ihre mit Abstand beste Spielerin an diesem Tag verletzte sich und fällt für den Rest der Drittligasaison aus.

Gegen Ketsch war für die Herzogenauracherinnen nur schwer durchzukommen.
Gegen Ketsch war für die Herzogenauracherinnen nur schwer durchzukommen. © ROLAND G HUBER
Jana Lichtscheidel hatte in nur 20 Minuten Einsatzzeit schon sieben Mal die Lederkugel ins Netz gehämmert und war gerade möglicherweise auf dem Weg zum achten Treffer, als sie unsanft gestoppt wurde. Die eher quirlige TSH-Rückraumspielerin prallte bei einem zügig vorgetragenen Angriff in der 27. Minute auf die ungleich wuchtigere Lara Eckhardt aus Ketsch, die einen Schritt zu langsam war. Die Zwei-Minuten-Strafe, die das gute Schiedsrichtergespann Franz/Wießmeyer aussprach, war durchaus angemessen – doch es konnte keiner ahnen, dass Jana Lichtscheidel so unglücklich landen würde. Verdacht auf Kreuzbandriss lautete die noch unbestätigte Erstdiagnose in der Halle.

Das war die Schlüsselszene in diesem Schlüsselspiel im Abstiegskampf der 3. Liga. Der Neuling aus Herzogenaurach fiel durch die Niederlage auf den drittletzten Platz zurück, der die Rückkehr in die Bayernliga bedeuten würde. Die zuvor punktgleichen Gäste aus dem Rhein-Neckar-Kreis hingegen jubelten überschwänglich: Sie revanchierten sich nicht nur für die Last-Minute-Niederlage im Hinspiel, sondern sprangen auch auf Platz acht.

Doch bitterer als die tabellarische Momentaufnahme ist der Ausfall von Jana Lichtscheidel. Für Trainer Klaus Watzinger ist klar: "Sie wird uns sehr fehlen in den nächsten Wochen und Monaten." Nun ist die langjährige Stärke seiner Mannschaft wieder einmal gefordert: Noch enger zusammenrücken, wenn es Rückschläge gibt.

War der Druck zu groß?
Ein Routinier wie der 68-jährige Watzinger weiß, dass es an so einem Tag nichts bringt, auf die Spielerinnen verbal einzudreschen. Innerlich dürfte auch er in Wallung geraten sein angesichts der Fehlerorgie seiner Damen, äußerlich ließ er sich nichts anmerken. Stattdessen stellte er die positiven Aspekte hervor. Beispielsweise die gute Moral nach einem frühen 2:8-Rückstand, dank der sich die TS auf 11:13 bei der Pausensirene heran kämpfte. Auch danach gab der Aufsteiger nie auf, hatte aber einen Tag erwischt, an dem nicht viel gelang.

Hatte das Team zuletzt mit Punktgewinnen gegen die Spitzenteams sogar auswärts geglänzt, schien der Druck, in eigener Halle vor 280 Zuschauern einen direkten Konkurrenten distanzieren zu müssen, zu groß zu sein. Vielleicht waren die Damen schon von der unerwartet defensiven Abwehrformation der TSG Ketsch überrascht (Watzinger: "Das hatten wir anders erwartet")? Jedenfalls fiel ihnen wenig ein, um die 6:0-Deckung auszuhebeln. Die Außen wurden sträflich ignoriert, Leistungsträgerinnen im Rückraum wie Nina Bestle oder Lisa Neumann rannten sich immer wieder fest und erzielten keinen einzigen Treffer.

Watzinger: "Unsere hohe Fehlerquote lag aber auch daran, dass die TSG defensiv einen sehr guten Job gemacht hat." Und offensiv konnten sich die Ketscherinnen auf ihre drei U 23-Topspielerinnen verlassen, die aus der ersten Mannschaft (2. Bundesliga) aushalfen. Lea Marmodee, Elena Fabritz und Lara Eckhardt sorgten für 16 der 26 Treffer.

Erst als Jana Lichtscheidel für Laura Wedrich kam, schien ein Ruck durch das Team zu gehen. Doch ohne sie begann die zweite Hälfte wie die erste: Ketsch wirkte immer einen Schritt schneller und packte einen Treffer drauf, wenn die TSH näher zu kommen drohte. So brachte das Aufbäumen vor allem von Saskia Probst, die nach ihrer Verletzung Anlaufzeit brauchte, und Laura Wedrich nichts ein. Weil nur zwei von fünf Siebenmetern den Weg ins Tor fanden und Keeperin Martina Ebersberger erst in der Schlussphase ein paar Paraden zeigte, war für die TSH nichts zu holen.

"Ausgerechnet heute machen die Mädels ihr schlechtestes Spiel", war von Stammgästen auf der Tribüne zu hören. Aber auch eine Begründung, die Watzinger fast wortgleich heranzog (ohne sie als Ausrede gelten zu lassen): "Wir sind leider nicht mehr in unserem guten Rhythmus, weil es ständig längere Spielpausen gab." Nächstes Wochenende ist spielfrei, aber ab dem 10. Februar geht es dann Schlag auf Schlag – allerdings ohne Jana Lichtscheidel.

TSH: Ebersberger, Gerling; Stephan 3, Wedrich 4, Bestle, Probst 6,/1, Schneidereit, Lichtscheidel 7/1, Lang 2, Erdmann 1, Theobald, Küffner, Neumann.

HOLGER PETER / Nordbayerische Nachrichten
Foto: Roland G Huber