Rück- und Ausblick bei den Damen

In der 3. Bundesliga und bei den Fans angekommen
Halbzeitbilanz bei den Handballerinnen der TS Herzogenaurach — Kapitän Nina Bestle verspricht: "Niemand von uns wird nachlassen!" -

Vor einem entspannten Weihnachtsfest stehen die Handballerinnen der TS Herzogenaurach, die sich als Neuling in der 3. Liga überraschend schnell und gut etabliert haben. Eine Zwischenbilanz.

Strahlende Gesichter bei den TSH-Handballfrauen, die auch mit den Einlaufkindern ihren Spaß haben. © Foto: Friedrich Lindauer

Zunächst ein optischer und akustischer Erfolg: Mit beispielhafter Hingabe und meist ausgezeichneten Leistungen hat man die Herzen der Fans erobert. Zu den Heimspielen darf die TSH im Durchschnitt inzwischen die erfreuliche Zahl von 300 Zuschauern, die das Team von der Tribüne lautstark unterstützen.

Auch sportlich wird deutlich, dass der Aufsteiger von der Aurach durchaus in der anspruchsvollen dritthöchsten Spielklasse der Republik angekommen ist. Mehr noch, mit einem fulminanten "Endspurt" und den drei gewonnenen Punkten gegen die Top-Mannschaften des TSV Haunstetten (26:20-Heimsieg) sowie am vergangenen Samstag beim Tabellenführer TSV Bietigheim II (23:23) erkämpften die Watzinger-Schützlinge nicht nur überlebenswichtige Punkte, sondern verschafften sich auch endgültig den Respekt bei den Mitbewerbern.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Akteurinnen eben jenes Selbstbewusstsein erworben haben, das für die extrem schwere Rückrunde dringend benötigt wird.

Bedenkt man dann noch, dass es sich bei dieser Mannschaft durchgängig um reine Amateure handelt, die sich ohne jede Aufwandsentschädigung gegen meist etwas professioneller aufgestellte Gegner aus ganz Süddeutschland behaupten müssen, darf man durchaus von einer erfolgreichen Vorrunde sprechen.

Im Halbzeitgespräch mit unserer Zeitung waren sich die Beteiligten einig darüber, dass man mit dem bisher Erreichten durchaus zufrieden sein kann, auch wenn man der Überzeugung ist, dass die beiden Heimniederlagen gegen Kandel und Freiburg hätten vermieden werden können.

Teammanager Udo Hermannstädter, "Vater" der tollen Entwicklung der TSH-Frauen in den vergangenen zwölf Jahren, sprach dennoch von Welten, welche die aktuellen Anforderungen in der 3. Liga gegenüber jenen in der Bayernliga unterscheiden. Er zeigte sich erfreut darüber, dass man nicht nur den sportlichen wie organisatorischen Anforderungen gewachsen sei, sondern dass die bemerkenswerte Anzahl an Zuschauern auch spürbar hilft, die erheblichen Kosten rund um den Spielbetrieb zu reduzieren, wenn denn dieser Trend anhält.

Trainer Klaus Watzinger hatte vor dem Saisonstart das Ziel genannt, in der 3. Liga gut mitzuspielen, bekannte aber, nicht damit gerechnet zu haben, dass nach der Vorrunde neun Punkte für einen Nichtabstiegsplatz nötig seien.

Sein Co-Trainer Mirko Scholten war vor dem Saisonstart sicher, dass man eine gute Rolle spielen werde, hätte jedoch nicht geglaubt, dass alles so eng verläuft und fast jeder jeden gewinnen könnte. Und die oben genannten zwei Niederlagen seien eben ein Spiegelbild der damals eigenen Möglichkeiten gewesen. Beide Trainer lobten aber die deutliche Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft vor allem in der Abwehr, und wenn es gelinge, diese Qualitäten noch öfter über 60 Minuten abzurufen und das einst so erfolgreiche Tempospiel auch in dieser Liga zu verbessern, sei der Klassenerhalt absolut machbar.

Mannschaftsführerin Nina Bestle, die heuer ihre bislang beste Saison sowohl in der Abwehr als auch in der Offensive zeigt, ist "positiv überrascht, mit welch toller Moral man bislang mit den Niederlagen umzugehen weiß", was in der Tat nach der überragenden Aufstiegssaison nicht so selbstverständlich war. Dieser innere Zusammenhalt sei laut Bestle ein ganz wichtiger Faktor, denn man möge nicht vergessen, dass alle Akteure allein aus Spaß am Handball unterwegs seien und dafür erhebliche private Abstriche machten. "Als wir vor der Abfahrt nach Bietigheim erfuhren, dass nun auch noch Sarah (Stephan) und Jana (Lichtscheidel) gesundheitsbedingt ausfallen, konnten wir dank des großen Kaders so auffüllen, dass wir nie das Gefühl hatten ersatzgeschwächt aufzulaufen. Dies war auch ein wichtiges Signal an jene, die sonst weniger zum Einsatz kommen, dass sie eben genauso wichtig sind wie alle anderen." Sie ist überzeugt davon, dass bezüglich der Einstellung auch weiterhin niemand nachlassen wird, zumal "uns nun keiner mehr unterschätzen wird".

Jana Lichtscheidel, zuvor einige Jahre in der 3. Liga Ost für HaSpo Bayreuth aktiv und für die "Königsposition" im linken Rückraum geholt, zeigte sich selbstkritisch mit dem Saisonauftakt: "Da hatte ich mehr von mir erwartet." Dabei ist die drahtige Akteurin mit einer explosiven Wurfkraft ausgestattet, die sie meist mit ansatzlosen Sprungwürfen umzusetzen versteht. "Mithilfe der Mädels und Trainer läuft es aber nun fast so wie ich es erhofft hatte", so die Ex-Bayreutherin, die auch den Liga-Vergleich nicht scheute: "Natürlich wird in der 3. Liga Ost mehr Wert auf Athletik gelegt, hier jedoch ist das Spiel technisch etwas anspruchsvoller und dynamischer, es macht einfach mehr Spaß Handball zu spielen".

Saskia Probst, einstige Jugend-Nationalspielerin und in der vergangenen Saison mit 186 Treffern Torschützenkönigin der Bayernliga, tat sich zunächst auch etwas schwer mit der Umstellung: "Ich hatte schon Bedenken, was da für durchtrainierte ,Koffer‘ auf mich zukommen. Zudem brauchte ich früher nur drei Schritte kräftig antreten und schon war ich anspielbar für die Super-Pässe von Martina Ebersberger (Anmerkung der Redaktion: Torfrau der TSH). Heuer sind die Gegner in der Rückwärtsbewegung weitaus effektiver, muss das Timing noch perfekter sein."

Zudem hatte die eher zierliche Linkshänderin oft auf einer Halbposition etwas vorgezogen gedeckt und war damit schon im Gegenstoß bevorteilt, was heuer, wo sie außen verteidigt, so aber noch nicht machbar sei. "Ich muss mit der Hilfe unserer Trainer das Umsetzen meiner Möglichkeiten verbessern und dabei auch bezüglich der Vielfalt bei den Würfen von außen variabler werden", so die wie immer bescheidene Probst, die gerade rechtzeitig wieder in tolle Form gekommen ist.

So schwankt man bei der TSH zwischen Freude über die Pause und Bedauern, das aktuelle "Hoch" nicht nutzen zu können. Dass man die Rückrunde am 13. Januar beim TuS Metzingen II starten muss, der konsequent auf Akteure der "Ersten" setzt, macht es erforderlich, rasch wieder auf Betriebstemperatur zu gelangen. Dieser Gegner hatte die TSH am ersten Spieltag noch mit 32:24 deutlich beherrscht und ist aktuell Tabellenzweiter.

Bericht von Volker Schneller