Bericht vom Spiel der Damen I in Bietigheim

Sensationeller Punktgewinn in Bietigheim

Will man die Klasse halten, so müssen auch die Punkte gesammelt werden, die eigentlich nicht eingerechnet waren. Solch ein Punkt war sicherlich der, den die Herzogenauracher Handballdamen am Wochenende aus Bietigheim entführen konnten. Mit einem überraschenden 23:23-Unentschieden beim Tabellenführer kann man nun beruhigt auf einem Nichtabstiegsplatz in die Winterpause gehen.

Die Vorzeichen standen alles andere als gut. Zusätzlich zu den drei Verletzten Viktoria Egle, Laila Schneidereit und Carole Mittelheisser, meldeten sich am Tag des Spiels die beiden Stammkräfte auf der linken Seite Sarah Stephan und Jana Lichtscheidel kurzfristig krank. So fuhr man mit einem dezimierten Kader zum Erstplatzierten ins Schwabenland.

Doch die Einstellung stimmte, Trainer Klaus Watzinger brauchte im Hinblick auf die Motivation nicht nachzuhelfen, jede Spielerin war bis in die Haarspitzen bereit zu kämpfen. Amelie Theobald, die sowohl auf der Linksaußen- als auch Mittelposition zum Einsatz kam, sagte rückblickend: „Wir hatten nichts zu verlieren und haben uns vorgenommen, uns einfach durchzubeißen.“

Jedoch startete das Spiel wie erwartet mit einer klaren Führung der Gastgeber, die lediglich auf Juniorennationalspielerin Jana Scheib verzichten mussten. Eine mäßige Angriffsleistung mit vielen Fehlwürfen auf Seiten der Herzogenauracher drohten das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Die auf die linke Angriffsseite verschobene 5:1-Deckung der Bietigheimer stellte die Schuhstädter vor eine ungewohnte Herausforderung. Bereits nach neun Minuten, beim Stand von 4:1, nahm Trainer Klaus Watzinger eine Auszeit, um die Reserve des Deutschen Meisters nicht davonziehen zu lassen. Ein Drei-Tore-Lauf der Watzinger-Sieben sorgte daraufhin für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Besonders Laura Wedrichs Tore halfen den Herzogenaurachern im Spiel zu bleiben. Bis zur Halbzeit konnte man sogar durch die Tore von Tanja Küffner und Alina Erdmann „sensationell“ (Watzinger) mit 10:12 in Führung gehen. Erdmann, die in dieser Saison meist nur in der zweiten Mannschaft zum Zug kam, sorgte am Samstag im Rückraum für Wirbel. Wieder einmal war der ausgeglichene Kader der Trumpf der Herzogenauracher. Spielerinnen mit wenig Spielpraxis übernahmen sofort Verantwortung und kompensierten die Ausfälle der ersten Garde. Teamgeist und unbändiger Kampf waren die Basis dafür, dass man den Favoriten ärgern konnte. Vor allem in der Abwehr zeigten die Herzogenauracher, zum Teil auf ungewohnten Positionen, eine großartige Leistung. Unterstützt wurden sie von einer gut haltenden Martina Ebersberger im Tor. Laut Theobald war das auch der Grundstein zum Punktgewinn: „Jeder wurde gebraucht und hat seinen Teil zum Erfolg beigetragen, es war eine geschlossene Mannschaftsleistung.“

Die zweite Halbzeit verlief ähnlich der ersten. Das Spiel blieb knapp und die Heimmannschaft übernahm wieder die Führung. Mitte der zweiten Hälfte konnten sie sich sogar bis auf drei Tore absetzen. Die Damen der Turnerschaft stemmten sich mit Herz und Leidenschaft gegen die drohende Niederlage. Nun kam die Zeit von Saskia Probst. Die Linkshänderin, die in der vergangenen Saison Toptorschützin der Bayernliga war und in vielen Spielen über zehn Tore werfen konnte, startete ihren Torreigen. Sechs Treffer in den letzten zehn Minuten durch die 19-Jährige hielten die herzogenauracher Damen im Spiel. Die zentimetergenauen Gegenstoßpässe von Ebersberger verwertete die Rechtsaußen auf beeindruckende Weise. Probst versteht es schon mit ihren jungen Jahren den Ball einhändig oder im Sprung anzunehmen und im gegnerischen Tor zu versenken. Vier Minuten vor Abpfiff warf sie die Gäste sogar mit einem Tor in Führung. Doch diese egalisierte die Bietigheimerin Lena Vogt umgehend. In den verbleibenden drei Minuten vermochte keine Mannschaft mehr ein Tor zu werfen. Und so war die Sensation perfekt. Mit dem 23:23-Unentschieden gelang es den Damen von der Aurach als erste Mannschaft überhaupt in dieser Saison einen Punkt aus der bietigheimer Halle zu entführen.

Das ist ein perfekter Abschluss der Vorrunde, den die Damen auf der Busfahrt gebührend feierten. Watzinger, der auf seinen Trainerkollegen Mirko Scholten verzichten musste, war sehr erfreut über das Ergebnis: „Solche Spiele hast du nicht so oft, keiner hat von der Mannschaft etwas erwartet. Die Spielerinnen waren aber enorm motiviert und jede gab auf dem Spielfeld über 100%. Jetzt freuen wir uns auf Weihnachten und haben Zeit die Köpfe frei zu bekommen. Anfang nächsten Jahres warten mit Kandel und Ketsch zwei Mannschaften aus der direkten Konkurrenz auf uns. Wir wollen den guten Weg, auf dem wir uns befinden weiter gehen.“

TSH: Ebersberger, Gerling, Wedrich 6/1, Bestle 1, Probst 9/1, Zimmermann, Lang, Merz 1, Erdmann 2, Theobald 2, Küffner 2, Neumann

Lena Mergner