Bericht vom Heimspiel der Damen I gegen Freiburg

Mit Mut gegen den Favoriten: Hier setzt sich Lisa Neumann gegen die Freiburgerinnen durch. © Foto: Ulrich Schuster

Ganz nah dran an der Sensation
TSH-Damen ärgern Topteam aus Freiburg lange

So nahe werden die Handballerinnen der TS Herzogenaurach einer Sensation wohl kaum wieder kommen wie am Sonntag bei der 22:25 (13:12)-Niederlage gegen den Tabellenzweiten der 3. Bundesliga, der HSG Freiburg.

Über 300 Zuschauer erlebten eine technisch nur phasenweise anspruchsvolle Partie, die jedoch von enormer Spannung und tollem Einsatz beider Teams über 60 Minuten hinweg lebte und zu einem echten Krimi wurde. Weil auch beide Seiten weitgehend fair zu Werke gingen, wurde das Spiel letztlich doch zu einem sportlichen Highlight.

Vom Anpfiff an kämpften alle Akteurinnen um jeden Zentimeter Boden was zur Folge hatte, dass sich kein Team vorzeitig absetzen konnte. Die TSH überzeugte dabei vor allem mit einer aufopferungsvollen Abwehrarbeit, was den Gäste-Trainer Sausmann später zu der Aussage veranlasste, dass "es uns bislang keine gegnerische Abwehrformation so schwer gemacht hat".

Mehr noch, in den 30 Minuten war nicht zu erkennen welche Mannschaft zu den Meisterfavoriten zählt und wer der Neuling, der Woche für Woche um jeden Punkt gegen den Abstieg kämpfen muss. Mit 2:0 und 11:9 (26.) ging das Watzinger-Team zwei Mal mit jeweils zwei Toren in Front und lag vor der Pause nie im Rückstand. Andererseits konnten die Gäste stets dagegen halten, was auch daran lag, dass jede Freiburgerin individuell enorme Gefahr ausstrahlte.

Wenn man dann noch bedenkt, dass es TSH-Torfrau Martina Ebersberger erst in der 19. Minute gelang, einen Torwurf zu parieren, kann die Abwehrarbeit kaum zu sehr loben. Die Gastgeberinnen verstanden es in dieser Begegnung erstmals die übliche Schwächephase nach dem Wiederanpfiff mühsam zu vermeiden, auch weil das Trainer-Duo die Stammformation relativ lange zusammen ließ.

Aber natürlich kann man eine solch physische und zunehmend auch psychische Herausforderung nicht mit sechs Akteurinnen durchstehen, doch die mit Maß vollzogenen Wechsel waren nicht ursächlich dafür verantwortlich, dass sich die Breisgauerinnen in der zweiten Hälfte dann doch mühsam durchzusetzen begannen.

Knacks in Überzahl

Nun lief es umgekehrt, die TSH musste ständig einem knappen Rückstand hinterherlaufen und schaffte dabei immerhin in der 49. Minute den 18:18-Ausgleich. Doch exakt in den folgenden zwei Minuten gab es den vorentscheidenden Knacks: Die TSH hatte eine personelle Überzahl und war im Ballbesitz. Doch statt nun diesen Vorteil konsequent zu nutzen, beging eine Akteurin ein Stürmerfoul mit der fatalen Folge, dass die dezimierten Gäste in den verbliebenen 90 Sekunden auf 20:18 davon zogen, weil beim zweiten Angriff in Überzahl der TSH auch noch ein Schrittfehler passierte. Dies ist deswegen schwer nachzuvollziehen, weil man auch an diesem Tage immer wieder zahlreiche Topaktionen auf das Spielfeld zauberte.

Auch jetzt zeigte die TSH eine tolle Moral, glich in der 54. Minute zum 20:20 aus und neue Hoffnung machte sich im heimischen Lager breit. Hier nun entschieden letztlich eine HSG- Spielerin die Begegnung. Zunächst nutzte die bislang drittbeste Torschützin der Liga, Nadine Czok, zwei Mal hintereinander die erlahmenden Kräfte der TSH konsequent zu Toren, nachdem man sie zuvor an sich sehr gut neutralisiert hatte. Als Watzinger sie dann in Pressdeckung nahm, nutzten dies die ungemein beweglichen Nebenleute für unwiderstehliche Alleingänge. Nach dem 21:21 (58.) bis zum Abpfiff gab sich die HSG keine Blöße mehr.

Betrachtet man den Spielverlauf, so kann man konstatieren, dass Freiburg exakt diese leichtfertigen Fehler weniger machte als die TSH, um knapp aber verdient zu gewinnen. Dennoch muss man dem Aufsteiger durchgängig Respekt für eine beherzte Leistung zollen, zumal man in der Vorsaison fast nie derart enge Spielstände verkraften musste, was in der 3. Liga aber die Regel ist.

HSG-Trainer Sausmann: "Wir wussten um die Schwere der Aufgabe und sind deswegen auch schon gestern nach Franken angereist. Unsere Torfrau hielt zum Glück die machbaren Bälle und letztlich waren es nur Nuancen, die entschieden". TSH-Coach Watzinger: "Wir haben eine prima Abwehrarbeit gezeigt und es leider versäumt, diese in Tore umzusetzen."

TSH: Ebersberger, Gerling; Stephan 4, Egle, Wedrich 5/3, Bestle 1, Probst 4, Lichtscheidel 2/1, Zimmermann, Lang 4, Erdmann, Theobald, Küffner, Neumann 2.

Bericht aus "Nordbayerische Nachrichten" von V.Schneller
© Foto: Ulrich Schuster