Bericht vom Spiel der Damen in Möglingen

Erfahrung macht den Unterschied
Eine Halbzeit lang bietet der Aufsteiger aus Herzogenaurach den Möglingerinnen Paroli, davor jedoch steht den Gästen das eigene Nervenkostüm im Weg.

Besser als vereinzelt befürchtet, schlechter als erhofft: So in etwa kann lässt sich die Gemütslage der Handballerinnen der TS Herzogenaurach nach der Pleite gegen den aktuellen Tabellenzweiten der 3. Liga Süd beschreiben.

TV Möglingen - TS Herzogenaurach 29:22

In einer Begegnung, die sich hinsichtlich Spielniveau und Atmosphäre wohltuend von jener gegen Kandel abhob, entschied das junge Herzogenauracher Team die zweite Halbzeit mit 14:13 sogar für sich. Nicht etwa, weil die Gastgeberinnen angesichts der klaren Pausenführung die Bremse einlegten. Vielmehr legten die vermeintlich geschlagenen Gäste plötzlich ihre Hemmungen etwas ab und besannen sich auf ihre eigenen Qualitäten, welche zumindest 30 Minuten lang jenen der erfahrenen Gastgeberinnen gleichwertig waren.

Wären da nicht einfach ein paar zu viele Blackouts im ersten Spielabschnitt gewesen, genauer gesagt zwischen der neunten und 17. Spielminute, als nämlich die Heimmannschaft von einem 3:3-Gleichstand im Schnellverfahren einen Sechs-Tore-Abstand herausspielte. Es war jene Phase, in der der erneut bestens auf den Gegner eingestellte Aufsteiger aus Herzogenaurach situationsbedingt nachvollziehbare Nerven zeigte, und viele gute Vorsätze vergaß.

"Wir fanden zunächst sehr gut in das Spiel und wähnten uns durchaus auf Augenhöhe mit Möglingen. Dann aber reichten zwei, drei Leichtsinnsfehler, um unsere Linie zu verlieren, das 5:11 war eine Vorentscheidung", erklärte TSH-Trainer Klaus Watzinger hinterher. Mehr noch, die acht Tore Rückstand zur Pause ließ die Hoffnung auf ein achtbares Endergebnis nahezu platzen.

Plötzlich klappt alles

Doch es kam anders: Losgelöst von dem realistischen Glauben, noch gewinnen zu können, klappten plötzlich Aktionen im Verband als auch mit individuellem Selbstvertrauen, weshalb die Gäste in den ersten zehn Minuten nach der Halbzeitpause wieder bis auf 13:16 herankamen. Dies gelang natürlich nur unter größtmöglichem Aufwand, der nicht bis zum Schluss durchzuhalten war. Schon gar nicht von einem Aufsteiger mit überwiegend blutjungen Spielerinnen.

Möglingen fing sich nach einer kurzen Auszeit, stellte eher ungewohnte Unsicherheiten wieder ab und war in der 44. Minute beim Stand von 21:13 wieder außer Reichweite - auch ein Beleg dafür, dass am Ende das bessere Team das Spielfeld verdientermaßen als Sieger verließ. Auf Augenhöhe aber blieb das Gästeteam bis zum Abpfiff, was auch die Verantwortlichen beim TV erkannten, die einen Aufsteiger gesehen hatten, "der uns alles abverlangte".

Herzogenaurach hatte sich zunächst auf die übliche 6-0-Abwehrformation verlassen, um später immer mal wieder Saskia Probst vor die Abwehr zu beordern und so so den effizienten Spielaufbau des Gegners etwas zu stören. Während die junge Linkshänderin diese Aufgabe erneut mit großem Engagement umsetzen konnte, fehlt ihr, die in der vergangenen Saison im Schnitt acht Treffer pro Spiel landete, derzeit das Wurfglück. Auch deswegen, weil in der höheren Spielklasse deutlich weniger Chancen für ihre Tempogegenstöße vorhanden sind oder auch der Ball nicht schnell genug nach vorne kommt. Zudem ist Probst keine Unbekannte mehr, entsprechend konsequent gehen die Gegner in der eigenen Rückwärtsbegegnung vor.

Ein sehr gutes Spiel zeigte Sarah Stephan, und auch Vicky Egle konnte ihre Trainer auf der Mittelposition durchaus überzeugen. Im Tor begann man erstmals mit Gerling, da man sie an die höherklassigen Aufgaben heran führen möchte und auch um den auf Martina Ebersberger eingestellten Gegner etwas zu irritieren. Dieser war in einer durchweg fairen Begegnung mit zwei ausgezeichneten Schiedsrichtern aber letztlich zu routiniert, um sich davon verunsichern zu lassen. Bei der TSH musste Kreisläuferin Kristin schon früh verletzt vom Feld, Lisa Neumann schied aus, nachdem sie einen Ball mit Wucht an den Kopf bekommen hatte. Dass sich die Möglinger Physiotherapeuten sofort um sie kümmerten, spricht für einen rundum positiven Handballnachmittag. Allein mit dem Ergebnis waren die TSHler naturgemäß nicht zufrieden.

TSH: Gerling, Ebersberger - Stephan (5), Egle (1), Wedrich (3/1), Bestle, Probst (2), Schneidereit (2), Lichtscheidel (3/1), Zimmermann (1), Lang (3), Küffner, Neumann

Bericht aus "Fränkischer Tag" von Volker Schneller