Bericht vom Heimspiel der Damen I gegen Kandel

TSH Neuzugang Jana Lichtscheidel -  © Foto: Berny Meyer

Pfälzische Routine siegt gegen fränkische Euphorie
TSH-Damen führen gegen den TSV Kandel lange, müssen sich aber am Ende mit 19:23 beugen

Am Tag der Deutschen Einheit hatten sich die Herzogenauracher Handballdamen vorgenommen, den ersten Heimsieg in der 3. Bundesliga zu feiern. Doch der Gegner aus Kandel machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Am Ende leuchtete an der Anzeigentafel der Gymnasiumshalle ein 19:23 aus Sicht der Gastgeber.

Der TSV Kandel, der am Samstag durch ein Unentschieden beim Zweitligaabsteiger Haunstetten aufhorchen ließ, hatte die vergangene Saison als Siebter abgeschlossen.

Beide Mannschaften begannen vor 250 Zuschauern mit einer 6:0-Abwehr. Kompakt und konzentriert wurden die Lücken geschlossen, so dass die Angriffe häufig am Rande des Zeitspiels waren. Torchancen entstanden nur, wenn durch viel Bewegung die Abwehr auseinandergezogen wurde. Es dauerte zwei Minuten, bis die TSH durch Saskia Probst der erste Treffer der Partie gelang. Nina Bestle warf die Gastgeberinnen mit zwei sehenswerten Aktionen zur 3:2-Führung. Ab diesem Zeitpunkt lagen die Damen von der Aurach immer in Front, ohne sich jedoch absetzen zu können.

Zwar hielt Torfrau Martina Ebersberger in der ersten Halbzeit einige Bälle und setzte ihre Mitspielerinnen im Gegenstoß in Szene. Doch zu oft ließen diese ihre klaren Torchancen liegen. Entweder sie blieben bereits in der gegnerischen Abwehr hängen oder Torfrau Melanie Breinich parierte. Im Gegenzug nutzte TSV Kandel immer wieder seine Möglichkeiten, um sich heranzukämpfen.

Laura Wedrich, die früh für die glücklose Jana Lichtscheidel in den linken Rückraum wechselte, fand schnell ins Spiel und vollendete mit schönen Rückraumwürfen. Aber auch der Gast hatte starke Werferinnen, so platzierte Christina Wilhelm die Kugel einige Male in den Winkel.

Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde das Spiel zunehmend aggressiver, so dass das Schiedsrichterpaar Markus Fähnle/Jörg Schulle erste Zeitstrafen verteilte. Den dadurch entstandenen Raum nutzte Wedrich mit einer herrlichen Passtäuschung zum Durchbruch. Zudem sorgte Torfrau Ebersberger einmal mehr durch ein direktes Tor in das leerstehende Gehäuse der Gäste für Jubel. Spätestens jetzt wurde auch der letzte Zuschauer von der Begeisterungswelle erfasst und feuerte die Mannschaft an. Mit einer 12:9- Führung ging die TSH in die Pause.

Die zweite Halbzeit gestaltete sich noch umkämpfter. Herzogenaurach stemmte sich im Kollektiv gegen das Schmelzen des Vorsprungs, doch vergeblich. Angetrieben von der überragenden Christina Wilhelm gewannen die Pfälzerinnen langsam Oberwasser. Zudem bereitete die wuchtige Kreisläuferin Maijana Markovic mit ihren dynamischen Körpertäuschungen, die entweder zum Tor oder zum Strafwurf führten, der Abwehr erhebliche Probleme. Ihr Tor zum 12:13 veranlasste das Trainerteam Klaus Watzinger/Mirko Scholten zu einer Auszeit. Die Ansprache blieb jedoch wirkungslos, wiederum war es ein Kreisanspiel, das zum Siebenmeter und Ausgleichstreffer (13:13) führte.

In der 48. Minute übernahm Kandel zum ersten Mal die Führung. Obwohl die Kräfte langsam zu schwinden schienen, steckten die Herzogenauracher nicht auf. Die Abwehr arbeitete aufopferungsvoll und zwang den TSV zum Zeitspiel. Aus einem Freiwurf heraus traf Wilhelm dennoch zur 18:17-Führung. Noch einmal fiel der Ausgleich durch Laila Schneidereit, die beherzt ins Eins-gegen-Eins ging.

Sieben Minuten vor Schluss nahm nun der gegnerische Trainer Eyub Erden eine Auszeit – diese führte zum Erfolg. Aus der Erfahrung vom Samstag, als man eine Vier-Tore-Führung verspielt hatte, hat der TSV gelernt und kämpfte nun um jeden Millimeter. Dem hohen Druck konnten die TSH-Damen nicht mehr standhalten.

Dazu fehlte das Glück: Ein abgefälschter Wurf von Rebecca Brecht brachte wieder die Führung für Kandel. Im Gegenzug setzte die Turnerschaft zwei Bälle an den Pfosten. Auch ein bereits gewonnener Ball gelangte wieder zur gegnerischen Kreisläuferin, die ein leichtes Tor "geschenkt" bekam.

Das Trainerteam Watzinger/Scholten stellte die Abwehr auf eine offensive Formation um. Diese brachte jedoch nicht den schnellen Ballgewinn und so waren es die Gäste, die geschickt die entstandenen Räume nutzten.

TSH-Trainer Scholten zeigte sich mit der ersten Halbzeit sehr zufrieden: "Die Mannschaft hat gut gearbeitet, was aber auch sehr kräftezehrend war. Am Ende hat Kandel mit der Routine einzelner Spielerinnen das Spiel gewonnen. Wir haben nun nicht mehr die richtigen Entscheidungen getroffen und so die Führung aus der Hand gegeben."

TSH: Ebersberger 1, Gerling; Stephan 3, Egle (n.e.), Wedrich 5/1, Bestle 2, Probst 3, Schneidereit 2, Lichtscheidel 1/1, Zimmermann, Lang 1, Mittelheisser, Küffner, Neumann 1.

Bericht aus Nordbayerische Nachrichten von LENA MERGNER
© Foto: Berny Meyer