Bericht vom Spiel der Damen I in Ketsch

„Martini“ blieb eiskalt und reaktionsschnell.  © Archivfoto: Michael Müller-Jentsch

"Martini" blieb eiskalt: Mit Fernwurf den Sieg gesichert
Dank einer gedankenschnellen Aktion ihrer Torfrau entführen TS-Handballdamen Punkte aus Ketsch — Mannschaft mit enormer Moral -

Buchstäblich in den letzten Sekunden ist den Handballerinnen der Turnerschaft der Siegtreffer zum 27:26 (14:11)- Erfolg bei der TSG Ketsch gelungen.

Ist dieser doppelte Punktgewinn auswärts für den Aufsteiger von der Aurach in die 3. Bundesliga generell schon ein extrem wichtiger Baustein für den Klassenerhalt, wird das Zustandekommen vermutlich in die Annalen der TS-Handballerinnen eingehen. Wie kurz berichtet, waren Beim Spielstand von 26:26 noch rund zehn Sekunden zu spielen. Die Gastgeberinnen mussten die Begegnung wegen einer Zweiminutenstrafe in Unterzahl zu Ende spielen, hatten aber Ballbesitz.

Der gegnerische Coach Fuladdjusch holte seine Torfrau auf die Bank und ließ die letzten Sekunden mit sechs Feldspielerinnen angreifen. Eine von ihnen versuchte sieben Sekunden vor dem Abpfiff den finalen Wurf.

Direkt über 35 Meter

Der Ball blieb aber in der TS- Abwehr hängen, gelangte irgendwie in den Wurfkreis der Gäste, deren Torfrau Martina Ebersberger blitzschnell reagierte und das Spielgerät aus dem eigenen Kreis über rund 35 Meter hinweg direkt in das verlassene Tor warf.

Von "Martini" wusste man zwar schon seit Jahren dass sie wie nur wenige andere fähig ist, den Ball über ähnliche Distanzen zentimetergenau in die Hände ihrer sprintenden Mitspielerinnen zu passen. Hier aber lieferte sie ein Meisterstück.

Schon zuvor zeigte sich Ebersberger deutlich verbessert, hielt nicht nur einen Strafwurf, sondern vermittelte den Vorderleuten viel Sicherheit. Überhaupt fanden die Gäste zunächst prima ins Spiel, konnten die gewonnen Erkenntnisse über den Gegner geschickt umsetzen und lagen in der 15. Minute verdient mit 8:3 Toren in Front. Es war die Phase, als man, wie erhofft, mit einer kompakten 6:0-Abwehr den Gastgeberinnen den Zahn zog. Und da die TSH auch im eigenen Angriff lange Zeit technische Fehler begrenzen konnte, sah sich Ketschs Trainer Fuladdjusch schon vor dem Halbzeitpfiff zur zweiten Auszeit veranlasst.

Gravierendes fiel ihm zwar nicht ein, doch bei den Gästen machte sich fortan die körperliche Schwächung der noch nicht völlig genesenen Kristin Lang bemerkbar, welche sowohl in der Innendeckung bis dato eine hervorragende Partie bot und auch am Kreis des Gegners etliche Akzente setzte. Zwar konnte man dieses Manko noch bis zur Halbzeit kaschieren, verlor dann jedoch etwas an Sicherheit, während die Gastgeberinnen nun enorm viel Druck entwickelten und elf Minuten vor dem Abpfiff 22:20 in Front gingen.

Das Watzinger-Team aber resignierte nicht, sondern fand mit toller Moral immer wieder Mittel, die Begegnung offen zu gestalten. Vor allem Jana Lichtscheidel erwies sich hier als eiskalte Vollstreckerin von sieben Strafwürfen ohne Fehlwurf. Auch der zweite Neuzugang Lisa Neumann konnte die in sie gesetzten Hoffnungen mehrfach bestätigen und nutzte die offensive Abwehr des Gegners zu beherzten Durchbrüchen. Da Laura Wedrich, von ihren Trainern vermehrt auf der linken Rückraumposition eingesetzt, mit couragierten Aktionen ebenfalls überzeugte, war die TSH an diesem Tage schwer auszurechnen.

Schlitzohrig

Pech hatte die wie immer agile Linksaußen Sarah Stephan, die in einigen Situationen von den Schiedsrichtern benachteiligt wurde, während Saskia Probst auf dem rechten Flügel sich enorm verbessert zeigte. Gerade in solchen Situationen sind ihre Schlitzohrigkeit und ausgeprägtes Handballverständnis für das Team sehr hilfreich. Und dann haben die beiden TS-Trainer ja auch noch Allrounderin Laila Schneidereit, die wie schon gegen Metzingen quasi ins kalte Wasser geworfen wurde, um sofort unbekümmert zu vollenden. Somit trug neben einer großartigen Teamleistung auch manche Überraschung zum doppelten Punktgewinn bei.

Watzinger: "Das war natürlich enorm wichtig für uns alle, denn es ist weitgehend gelungen unsere Trainingsinhalte auch umzusetzen. Zwar hatten wir auch dieses Mal zu viele Fehlwürfe, und in der Abwehr schafften wir es nach dem Ausfall von Kristin nicht, die hohen Pässe an die groß gewachsene Kreisläuferin des Gegners zu unterbinden. Doch die Moral gerade in den Schlussminuten noch derart dagegen zu halten macht uns zuversichtlich für die folgenden Aufgaben, die noch anspruchsvoller werden".

TSH: Ebersberger 1, Gerling; Stephan 2, Egle, Wedrich 3, Bestle, Probst 3, Schneidereit 1, Lichtscheidel 8/7, Zimmermann 2, Lang 2, Theobald, Küffner, Neumann 5.

Bericht aus Nordbayerische Nachrichten von VOLKER SCHNELLER
© Archivfoto: Michael Müller-Jentsch