Bericht vom Heimspiel der Dame I gegen Metzingen

Bauchlandung für die TSH      © Fotos: Peter Roggenthin
Alles Anfeuern half nichts. © Fotos: Peter Roggenthin

Aufmunternder Applaus für eine couragierte Lehrstunde
Handballerinnen der TS Herzogenaurach verlieren ihr erstes Drittligaspiel gegen den starken TuS Metzingen II am Ende zu deutlich 24:32

Eigentlich war alles angerichtet für einen tollen Start in die 3. Handball-Bundesliga der Frauen: über 200 erwartungsvolle Zuschauer, eine hoch motivierte Mannschaft der TSH sowie ein Gegner, der selber eben erst in diese Spielklasse aufgestiegen ist. Es mag daher unlogisch anmuten, wenn die Gastgeberinnen nach einer 24:32 (13:16)-Niederlage gegen den TuS Metzingen II von allen Zuschauern mit großem Beifall verabschiedet wurden.

Dies zeigt jedoch, dass die Fans mit dem Erfolg der TSH-Mannschaft gewachsen sind – und in der Tat, es war eine enorm couragierte Leistung, die der Aufsteiger gegen den Gast aus Baden- Württemberg über weite Strecken der Begegnung ablieferte. Dass es am Ende dann doch so deutlich wurde, lag vor allem an der individuellen Überlegenheit der Gästespielerinnen, die sich sowohl in den direkten Zweikämpfen fast immer zu behaupten wussten, als auch ihre Cleverness bei den Torwürfen bewiesen.

"Wir haben keine geschlossene Vorbereitung gehabt, sondern sind primär bestrebt, junge Spielerinnen für die erste Mannschaft aufzubauen", so war von den Gästeverantwortlichen zu erfahren. Letztlich waren es exakt die erstligaerfahrenen Akteurinnen Delaila Amega, Alexandra Kubaska oder auch Vivien Büscs, die primär für Zählbares beim TuS sorgten.

Zu viele schnelle Gegentore

Was sich dabei besonders schmerzlich aus Sicht der TSH wie ein roter Faden über 60 Minuten zog, waren die zermürbend schnellen Treffer des Gegners fast immer nur drei, vier Sekunden, nachdem man eben erst selbst erfolgreich war. Gerade hier muss man dann auch mit der Aufarbeitung beginnen, es darf nicht passieren, dass die elegante, aber bemerkenswert durchtrainierte Amega nach einem kassierten Treffer immer wieder von der Mitte mit dem Ball prellend ungehindert bis zum Neun-Meter-Kreis der TSH ohne jede "Feindberührung" laufen und je nach Bedarf mit Sprung- oder Hüftwürfen laufen und einnetzen kann.

Demgegenüber bestach die TSH mit vielfach tollen Kombinationen mit nachfolgend guten Wurfchancen, die man aber speziell wieder in den ersten 15 Minuten vergab. Im Gegensatz zum Pokalspiel ließ man sich aber nicht entmutigen und mit einer vorne wie hinten überzeugenden Leistung gelang es, den Gegner über weite Strecken richtig zu fordern; beim Pausenpfiff war die TSH durchaus wieder auf Augenhöhe mit den Gästen.

Nach dem Wechsel stellte Trainer Watzinger Saskia Probst offensiv gegen Amega, die nachfolgend kaum noch in Erscheinung trat. Als sich TSH-Torfrau Martina Ebersberger fast in einen Rausch steigerte, keimte wieder Hoffnung sowohl auf dem Spielfeld wie auch Tribüne auf.

Doch nun hielten die Gäste mit etwas zu einfachen Einzelaktionen die TSH auf Distanz, zumal der TuS fortan auch von einigen zweifelhaften Zwei-Minuten-Strafen profitierte, die das Watzinger-Team immer wieder zurück warfen. Sieben Zeitstrafen entsprechen nicht dem tatsächlichen Geschehen, zumal auf der anderen Seite deutlich kräftiger hingelangt wurde.

Hier aber ist auch ein großes Problem, denn wenn die TSH-Trainer später meinten, dass man härter hinlangen müsse, stimmt dies nur teilweise. Während die Gegnerinnen jede eigene Abwehrlücke 60 Minuten lang mit schnellen Beistellschritten zusammen rückten, um so kaum sichtbar, mit den Armen angelegt, Bestle und Co knallhart fest "krallten", bleibt man bei der TSH im Deckungsverband zu weit auseinander, was zur Folge hat, dass jede Akteurin kurz alleine steht. Wenn nun die Gegenspielerin in die Lücke stößt, kann man meist nur mit weit ausgestreckten Armen seitwärts irgendwo am Gegner hinterher langen. Und dann sind Regelwidrigkeiten entsprechend offensichtlicher.

Diese ständigen personellen Dezimierungen waren dann doch zu viel, musste man dem dies resolut ausnutzenden Gegner davon ziehen lassen. Neben der vor allem nach der Pause großartigen Ebersberger (sie hielt unter anderem drei Strafwürfe) kamen auch Sarah Stephan, Laila Schneidereit, Laura Wedrich und Nina Bestle recht gut zurecht, während Jana Lichtscheidel zwar mehrfach ihre Klasse andeutete, aber im Abschluss noch effektiver werden muss.

Man wusste schon vor dem Rundenbeginn, dass man anfangs viel Lehrgeld zahlen wird, gegen Metzingen war dies offensichtlich, doch allein schon der enorme Leistungsanstieg gegenüber dem Pokalspiel sollte zuversichtlich machen. Es dürfte sicher sein, dass es schwächere Gegner in der 3. Liga gibt als diese personell international ergänzte zweite Mannschaft aus Metzingen.

Das Trainerduo Watzinger/Scholten war sich einig: "Unsere Würfe waren immer noch unzureichend, und was die Foulbewertungen anbelangt, wurde nach der Pause mit zweierlei Maß gemessen." Dass man aber im Abwehrverhalten deutlich professioneller werden muss, steht für beide ganz oben auf der Tagesordnung, ohne dass man die durchaus auch guten Erkenntnisse vergisst.

TSH: Ebersberger; Stephan 5, Egle 1, Wedrich 3/2, Bestle 5, Mittasch, Probst 1, Schneidereit 3, Lichtscheidel 3, Lang, Theobald, Mittelheisser 2, Küffner 1.

Bericht aus Nordbayerische Nachrichten von Volker Schneller
© Fotos: Peter Roggenthin