Das Interview zum Saisonstart der Damen I

Martina Ebersberger
Jana Lichtscheidel

TSH-Handballerinnen stürzen sich ins Abenteuer
Startschuss für die dritte Liga

Für die Handballerinnen der TS Herzogenaurach beginnt am Wochenende das Wagnis 3. Liga. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen – über umgeworfene Pläne, Zeit für Frisuren vor dem Spiel und ihre Leidenschaft für den Sport.

Es war der größte Erfolg in der Geschichte der Handball-Abteilung der TS Herzogenaurach: der Aufstieg der Frauen in die 3. Liga. Am kommenden Wochenende beginnt die Saison mit einem Heimspiel gegen TuS Metzingen II (Sonntag, 14.30 Uhr). Für uns hat Lena Mergner, bis Ende der vergangenen Spielzeit selbst noch Spielerin bei der TS, mit Torhüterin Martina Ebersberger und der neuen Rückraumspielerin Jana Lichtscheidel über das Wagnis in der kommenden Spielzeit gesprochen. Es ging um Rituale vor dem Spiel, die im Gegensatz zum Fußball fehlende Bezahlung und warum vor einer Partie Zeit für Kaffee und die Frisur sein muss.

Martina, Jana, stellt euch bitte in drei Worten vor.

Jana Lichtscheidel: Erlangerin, sportbegeistert, angehende Lehrerin.

Martina Ebersberger: Ganz großes Kino (schmunzelt).

Martini (Spitzname von Martina Ebersberger, Anm. d. Red.), du kennst die TS Herzogenaurach seit vielen Jahren, was bedeutet der Aufstieg in die 3.Liga für dich?

Ebersberger: Für mich persönlich ist es nochmal eine tolle Chance auf diesem Niveau zu spielen. Als ich vergangene Saison zur TSH zurückgekommen bin, war mein Plan eigentlich, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Die beiden Drittliga-Saisons in Bayreuth waren super, aber auch anstrengend. Dieser Plan hat nicht wirklich funktioniert, aber das Team reißt einen einfach mit - ob man will oder nicht. Also geht’s noch einmal mit Vollgas weiter.

Und für den Verein?

Ebersberger: Es ist zwar eine sehr große, aber auch spannende Herausforderung. Es kostet viel Organisation und zeitliches Engagement um in Liga drei spielen zu können. Das fängt bei der punktuellen Verstärkung des Teams an und hört bei der Orga der Spieltage auf. Aber es ergeben sich auch neue Chancen. Der Fokus des Damenhandballs der Region liegt nun auf der TS Herzogenaurach. Dies zu nutzen muss das Ziel sein.

Jana, du bist neu im Verein, warum bist du hierher gewechselt?

Lichtscheidel: Der Damenhandball in Herzogenaurach hat in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen. Dabei hat die gute Zusammensetzung von jungen und älteren oder erfahreneren Spielerinnen im Kader eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Nachdem auch viele Freunde und ehemalige Mitspielerinnen bereits in Herzo gespielt haben, habe ich die Entwicklung verfolgt und mich besonders gefreut, dass es mit dem Aufstieg in die 3.Liga geklappt hat. Umso schöner war es, als die Idee aufkam, dass ich die Mannschaft in der neuen Saison unterstützen könnte. Der Einstieg wurde mir durch die vielen Bekannten, aber auch die Offenheit des Vereins sehr leicht gemacht.

Seit wann spielt ihr Handball, was war euer größter Erfolg?

Ebersberger: Gefühlt schon immer, realistisch ist aber eher, dass es irgendwann im Grundschulalter losging. Der größte Erfolg ist natürlich der Aufstieg mit der TS Herzogenaurach, daneben gab‘s mal einen deutschen Hochschulmeisterschaftstitel.

Lichtscheidel: Ich spiele Handball schon seitdem ich klein bin. Als größten Erfolg würde ich mein erstes Jahr in der dritten Liga (HaSpo Bayreuth) beschreiben. Hier durfte ich noch so viel dazu lernen und mich weiter entwickeln, was mir neuen Spaß am Handball gebracht hat.

Was machst ihr, wenn ihr nicht Handball spielst?

Ebersberger: Arbeiten, studieren und Projektleiterin bei der Aktion "Die TSH soll schöner werden" sein. Da bedrucken wir Trainingsanzüge, Aufwärmklamotten und so weiter.

Lichtscheidel: Wenn neben dem Handball Zeit ist, spiele ich im Sommer besonders gerne Tennis mit Freunden und im Winter hoffe ich, dass immer ein paar Wochenenden zum Skifahren oder Snowboarden übrig bleiben. Ansonsten treffe ich mich gerne auch ganz entspannt zum Kaffeetrinken und Quatschen mit Freunden.

Wie bereitet ihr euch auf ein Spiel vor?

Ebersberger: An den Tagen vor dem Spiel versuche ich mich schon etwas mit den Gegnern zu beschäftigen. Im Moment ist das noch recht schwierig, da Mitschnitte von Spielen erst nach und nach im Internet auftauchen. Direkt am Spieltag habe ich eigentlich keine festen Rituale. So lange ich Musik auf den Ohren habe und einen Kaffee zum wach werden bekomme, läuft das schon.

Lichtscheidel: Besondere Rituale habe ich keine. Ich mag es nur nicht, wenn es vor dem Spiel recht hektisch zugeht. Zeit für die Frisur oder das ein oder andere Gespräch muss sein.

Ihr habt einen enormen Aufwand und kein Spielergehalt, wie es zum Beispiel im Fußball üblich ist. Wie seht ihr das Thema?

Ebersberger: Es ist schwer, das zu vergleichen. Fußball hat eine viel größere Lobby. Vereine tun sich leichter Sponsoren schon in den niedrigen Ligen zu finden und haben dadurch ein größeres Budget. Natürlich wäre es toll einen kleinen Obolus zu bekommen, allerdings muss man auch den Verein im Hinterkopf behalten. Auf Biegen und Brechen ein Gehalt zu bezahlen und am Ende der Saison mit einem dicken Minus raus zukommen ist nicht Sinn der Sache.

Lichtscheidel: Nachdem ich es nicht anders kenne, stört es mich auch nicht. So merkt man, dass jeder aus Leidenschaft Handball spielt.

Im Dezember findet die Frauenhandball-WM in Deutschland statt. Wie schätzt ihr momentan den Leistungsstand des deutschen Frauenhandballs ein?

Ebersberger: Es geht voran, würde ich sagen. Der EM Titel der Youngster im August zeigt dies eindrucksvoll. Eine WM im eigenen Land spornt aber immer an, also dürfen wir auch von den Damen einiges erwarten.

Warum glaubst du, wird die TSH den Klassenerhalt schaffen? Wie schätzt ihr eure Mannschaft ein?

Lichtscheidel: Wir sind ein super Team, in dem jeder seine Aufgaben und Qualitäten hat, ich glaub das wird uns viel weiterhelfen.

Worin seht ihr den Unterschied von der Bayernliga zur dritten Liga, was kommt auf euch zu, wo seht ihr die Herausforderungen?

Ebersberger: Das Tempo ist, glaube ich, der Ausschlag gebende Faktor. Zwar steigt auch die Härte im Spiel, allerdings verträgt die jeder Handballer. Spielentscheidend wird es, wenn ein Team präzisere und schnellere Pässe als das andere beherrscht.

Lichtscheidel: Genau, das Tempospiel ist in der dritten Liga etwas ganz anderes und macht viel aus, wenn es um das Gewinnen geht. Aber auch körperlich gibt es große Unterschiede in den beiden Ligen.

Wie schätzt ihr euer Team ein?

Ebersberger: Wenn wir es schaffen, uns nicht davon verunsichern zu lassen, dass nicht alles auf Anhieb klappt, sehe ich uns absolut im gefestigten Mittelfeld. Zwar wird es auch Niederlagen gegen Teams geben, die nach Höherem streben, aber ohne Tiefs gibt es auch keine Hochs. Diese abzuhaken und weiter Vollgas zu geben ist das Wichtige und Richtige.

Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen, wenn sie in die Halle kommen?

Ebersberger: Zunächst mal auf Handball, das grundsätzlich ein geiler Sport ist. Warum dann gerade zur TSH? Weil wir in jeder Begegnung einfach bis zum Umfallen kämpfen werden, um die Punkte in Herzo zu behalten.

Lichtscheidel: Auf eine motivierte Mannschaft, die alles dafür geben wird, viele Siege zu sammeln und sich über jede Unterstützung sehr freut.

Was habt ihr euch als Ziel gesetzt für die Mannschaft und für euch persönlich?

Lichtscheidel: Unser Ziel ist es, in der Liga möglichst gut mitzumischen. Wir haben viel trainiert und werden versuchen mit unseren Stärken so viele Punkte zu sammeln wie möglich, um hinter den Klassenerhalt schnell einen Haken setzen zu können.

Ebersberger: Persönlich wünsche ich mir verletzungsfrei zu bleiben und will den Jungspunden zeigen wies richtig geht. Als Team hoffe ich, dass wir zu einer Einheit zusammenwachsen und möglichst flott den Klassenerhalt eintüten.

Worauf freut ihr euch am meisten in der bevorstehenden Saison?

Ebersberger: Auf die Brotzeiten bei den Auswärtsfahrten.

Lichtscheidel: Viele stimmungsvolle Heimspiele mit viel Unterstützung im Rücken für unser Team.

Warum ist Handball für euch die schönste Sportart der Welt?

Ebersberger: Athletik, Tempo und Aktion pur verpackt in 60 Minuten – was will man mehr?

Interview: Lena Mergner