Bericht vom Pokalspiel der Damen I

Viele Würfe, aber zu wenig effektiv. Foto: Edgar Pfrogner

Eine Handball-Demonstration für das TSH-Team
Herzogenaurachs Aufsteigerinnen zahlen im Pokal gegen Herrenberg Lehrgeld

Mit 17:36 (Halbzeit 6:20) Toren hat das junge Handball-Team der TS Herzogenaurach vor 149 Zuschauern ihr Pokalspiel gegen den Zweitligisten H2Ku Herrenberg verloren – und wurde so bereits in der ersten Pflichtaufgabe der neuen Saison mit der höherklassigen Realität vertraut gemacht.

Zur neuen Handball-Realität bei der TS gehört das umgestalte Spielfeld, wo fortan das Kampfgericht nebst der Spielerbänke auf der Gegenseite unterhalb der mittleren Tribüne platziert sind. Selbst bei wohlwollender Auslegung muss man aber die derzeitigen sportlichen Grenzen erkennen, denn die Gäste bestimmten von der ersten bis zur letzten Minute das Geschehen.

Dabei war Herrenberg kein Über-Team, doch die Art und Weise wie sie fast 60 Minuten lang mit eindrucksvoll sicheren Ballpassagen meist ausgehend von der Mitte bis zu den freien Außenspielerinnen und souveränen Torabschlüssen die überwiegend noch unerfahrenen Gastgeberinnen entnervten, war schon eine anspruchsvolle Handball- Demonstration.

Rollentausch in Sachen Tempo

Dazu gehört auch der "Rollentausch" in Sachen Tempogegenstöße, den Herrenberg ähnlich gekonnt ablieferte wie dies bislang der TSH zu eigen war. Zudem hatte man immer das Gefühl, dass der sympathische Zweitligist bei Bedarf auch noch einen Gang höher schalten kann, was man an diesem Tage lediglich in der Anfangsphase praktizierte. Noch nie zuvor konnte ein Gast in Herzogenaurach 20 Minuten lang einen Gegentreffer durch die TSH verhindern und parallel selber 14 Tore erzielen.

"Natürlich hatten wir das etwas anders geplant, doch hier darf man die gerade anfangs guten Chancen halt nicht liegen lassen", sagte Watzinger. "Danach wurden wir dann überrollt. Erfreulich aber dass wir uns nicht aufgegeben haben, nun gilt es die richtigen Lehren umzusetzen"

Natürlich war da schon das Spiel entschieden, zumal es offensichtlich wurde, dass die Gastgeberinnen nicht etwa mutlos, sondern umgekehrt übermotiviert von den erfahrenen Gästen "kalt erwischt" wurden. Gerade in der Anfangsphase hatte das Watzinger- Team vier bis fünf richtig gute Torchancen, die man aber nacheinander halbherzig und halbhoch abschloss, so dass die gegnerische Torfrau regelrecht warm geworfen wurde. Umgekehrt konnte Martina Ebersberger in 30 Minuten nur zwei Bälle abwehren, dies aber nicht wegen mangelnder Klasse, sondern allein deswegen, weil die Gegnerinnen völlig unbedrängt vor ihr auftauchten.

Genau dies wollte man eigentlich verhindern, indem man anfangs auf Tuchfühlung bleibt und nicht zu leichtfertig den Ball verliert, denn Tempogegenstoßtreffer bauen das erfolgreich abschließende Team immer auf. Genau das aber trat ein. Und noch ein Faktum führte zur über Erwarten hohen Niederlage, denn fast hatte man den Eindruck, als wäre Saskia Probst ins Trikot des Gegners geschlüpft. Die Art und Weise wie Gäste-Rechtsaußen Lisa Gebhard zu ihren 14 Toren kam, war identisch mit jenen zehn bis 15 Treffern, die die verhinderte Linkshänderin der TS in vielen Spielen in der Bayernliga erzielte. Gebhard erwies sich ähnlich unwiderstehlich bei Gegenstößen, nach gekonntem Freispielen auf der Außenbahn sowie sicher bei Strafwürfen.

Dies war den Protagonisten der TSH vorher bewusst, in der Bundesliga gibt es generell nur Bruchteile jener Chancen zu Gegenstößen, weil dort ganz wenige technische Fehler bei Ballbesitz passieren, so auch am Sonntag. Bemerkenswert jedoch die Unverdrossenheit mit welcher man bis zum Abpfiff um ein besseres Resultat bestrebt war, so zum Beispiel Steffi Mittasch als auch Alina Erdmann, die in der Endphase ähnlich wie die meisten Gästeakteure selbst kleinste Abwehrlücken zu nutzen wussten.

Linkshänderin Carole Mittelheisser, die im rechten Rückraum der TSH für den Druck sorgen soll, war an diesem Tage bei ihren vielen Wurfversuchen wenig effektiv, was erst besser wurde als sie auf die rechte Außenposition wechselte. Auch Jana Lichtscheidel, auf die das Trainerteam große Hoffnungen setzt, sowie die aus Wien dazu gestoßene Lisa Neumann kamen in dieser Begegnung nicht zur Entfaltung, zu stabil erwies sich die clevere Abwehrarbeit seitens der SG Herrenberg, die sich zudem jederzeit auf ihre Torhüterin verlassen konnten.

Zu wenig Paroli

Natürlich wechselte der Gegner in Anbetracht der eigenen Überlegenheit rasch kräftig durch, ohne dass aber die Rundum-Überlegenheit in Gefahr geriet. Vermutlich wird man diesen klaren Erfolg nicht überbewerten, konnte die TSH ihnen an diesem Tage einfach zu wenig Paroli bieten, doch auswärts eine solch stabile Leistung abzuliefern ist für das Selbstvertrauen allemal wertvoll.

Dass zudem die Unparteiischen zumindest vor der Pause in Zweifelsfall gerne pro Gästeteam entschieden, trug etwas zur Verunsicherung der TSH bei, war letztlich aber nicht von großer Bedeutung. Das Team um Nina Bestle machte jedoch weder auf dem Feld noch danach den Eindruck als wäre man geschockt, wenngleich man später selbstkritisch mit dem Geschehen umzugehen wusste. Und eines zeichnete sie schon in der vergangenen Saison aus: Nach (insgesamt nur drei) Niederlagen folgte umgehend eine eindrucksvolle Rehabilitierung.

TSH: Ebersberger, Gerling; Stephan 1, Egle, Wedrich 2, Bestle, Mittasch 3, Schneidereit, Lichtscheidel 4/2, Zimmermann 2, Merz, Erdmann 1, Mittelheisser 2, Küffner und Neumann 2.

VOLKER SCHNELLER