50 Jahre Handball

TS Handball: Arbeit der Talentwerkstatt zahlt sich aus
50 Jahre Handballabteilung bei der TS Herzogenaurach heißt auch 50 Jahre Jugendarbeit — Frauen in der 3. Liga sind größter Erfolg -

Die 50-jährige Geschichte der Handballabteilung der TS Herzogenaurach beginnt mit Berufsanfängern bei Schaeffler, die Handball spielen wollten. Das passt, denn die Jugendarbeit stand im Verein meist im Mittelpunkt. Passend zum Jubiläum erntet die TS gerade die Früchte dieser Arbeit.

Den Aufstieg in die 3. Liga feierten die Handballerinnen der TS Herzogenaurach zum Ende der vergangenen Saison ausgelassen. Kein Wunder: Es ist der bislang größte Erfolg in der Geschichte der Abteilung.
Den Aufstieg in die 3. Liga feierten die Handballerinnen der TS Herzogenaurach zum Ende der vergangenen Saison ausgelassen. Kein Wunder: Es ist der bislang größte Erfolg in der Geschichte der Abteilung. © Archivfoto: Horst Linke
Was hat die 1966er-Lehrwerkstatt der Firma Schaeffler mit dem aktuellen Höhenflug der TS-Handballabteilung zu tun? Nun, nach Schilderungen von Zeitzeugen wie dem Urgestein der Abteilung, Georg Koschella, entstand unter Federführung des damaligen Ausbilders Roland Schwert und seinem Arbeitskollegen Gerhard Hofmann nebst an Handball interessierten jungen Berufsanfängern der Wunsch ihrem Hobby auch in einem Verein nachgehen zu können.

Nun benötigt man dazu auch engagierte "Funktionäre", die ehrenamtlich die Rahmenbedingungen schaffen. Immerhin konnte man unter dem Vorsitz von Hofmann ein Jahr später unter dem Dach der TS Herzogenaurach eine eigene Abteilung gründen, während Schwert als erster Übungsleiter für die noch kleine Anzahl Aktiver fungierte.

Gespielt wurde wegen Mangel an passenden Sporthallen nur auf dem Großfeld, was aber die Protagonisten der ersten Stunde, zu denen auch die Brüder Bernhard und Georg Koschella gehörten, beide heute bei den Alten Herren sowie als Schiedsrichter für die Abteilung tätig, nicht entmutigte.

Allerdings gab es an der Abteilungsspitze rasche Veränderungen, während im Übungsleiter-Bereich 1968 eine Personalie getätigt wurde, die über Jahrzehnte hinweg die aufstrebende Entwicklung speziell im Nachwuchsbereich prägen sollte: Karl Schulz, legendärer Betreuer, Trainer und Ansprechpartner der jungen Mitglieder konnte für die Mitarbeit gewonnen werden, eine Funktion die er noch mit über 80 Jahren gewissenhaft ausübte.

Den Jüngsten verpflichtet

Kaum ein damaliger Top-Spieler in der TSH, der nicht in den Anfängen von Schulz an den Handballsport heran geführt wurde. Zwischendurch übernahm er auch kurz als Abteilungsleiter die Verantwortung, wirklich wohl fühlte er sich jedoch primär bei "seinen" Jüngsten, für die er 1983 die erste Mini-Gruppe ins Leben rief. Letztlich profitierten indirekt auch die nachfolgenden Verantwortlichen der Abteilung von seinem Wirken, egal ob Wolfgang Zitterbart, Klaus Bedner, Bernd Klaiber ,Wolfgang Janke, Franz Meckes und andere mehr.

Immerhin stieg auch das sportliche Niveau der Aktiven mit dem ersten Highlight 1984, als die männliche B-Jugend sensationell bayerischer Meister wurde, um im Spiel um die süddeutsche Meisterschaft den damaligen deutschen Meister TV Käfertal mit 17:14 Toren bezwang, um im Rückspiel deutlich 11:21 zu verlieren.

Dies war jedoch der Auftakt für den Wandel vom reinen Hobbysport hin zum Leistungsgedanken, vor allem als Wolfgang Hentschke 1995 Abteilungsleiter wurde. Fortan kam es zu einer positiven Mischung von Übungsleitern aus den eigenen Reihen wie zum Beispiel Ingo Kundmüller oder Sohn Christian Hentschke als auch externer Kompetenz bestehend aus früheren Bundestrainern, deutschen Meistermachern, einem ehemaligen Weltmeister, Ex-Bundesligaspielern und einem tschechoslowakischen Nationalspieler. Kein Wunder dass sich beachtliche sportliche Erfolge einstellten.

Die Männer schafften den Aufstieg bis in die Landesliga und auch die Frauen folgten rasch nach, nicht zuletzt auch dank der Jugendarbeit von Trainer Kundmüller. Allerdings wurde der Druck beiden Erlanger Bundesligaklubs CSG und HG unangenehmer, denn mit den TS- Eigengewächsen Ende, Haberzettl, Schwandtner oder auch Manz folgten vier absolute Leistungsträger der Verlockung in der 2. Liga zu spielen.

Bei allem Zuspruch, den die Handballer sich erwerben konnten, die hiesige Industrie und der Einzelhandel waren kaum zu mobilisieren. Folglich fehlte es durchgängig an dem auch im Handball erforderlichen Geld. 2008 übernahm dann Christine Odemer die Abteilung. Vor allem die Frauen mit ihrem enorm engagierten Trainer Udo Hermannstädter sorgten nach dem Aufstieg in die Oberliga 2010 für positive Schlagzeilen. Ganz oben steht hier zweifellos der vor wenigen Monaten gelungene Aufstieg der Frauen mit ihrem von 2015 bis 2017 verantwortlichen Trainer Hans- Jürgen Kästl und einer geschickt vollzogenen Ergänzung mit Talenten vom HC Erlangen in die 3. Bundesliga. Eine sowohl sportlich als auch wirtschaftlich enorme Herausforderung für alle in der Abteilung.

Große Feier zum Jubiläum

Dass dieser Aufstieg mit dem 50-jährigen Abteilungsjubiläum zusammen fällt, ist ein zusätzlicher Grund am Samstag, 9. September, ab 14 Uhr auf dem Gelände der MIH, Auf der Nutzung 4 (neben dem Soli- Heim), zu feiern. Neben Spiel und Spaß für Kinder gibt es ein Kuchenbuffet, Grillen und Livemusik von "8 Pints under" und zwei weiteren Musikgruppen. Nicht nur die aktuell 286 Mitglieder in 13 Teams nebst 20 Übungsleiter haben dabei die Gelegenheit, sich außerhalb der strammen Saisonvorbereitung zu entspannen. Auch Nichtmitlieder sind bei freiem Eintritt eingeladen, um unter anderem frühere Spieltrikots für eine Spende zu erwerben. Und bestimmt ist der eine oder andere der damaligen Ideengeber aus der Schaeffler-Lehrwerkstatt auch vor Ort.

V.Schneller