Neues aus der Abteilung

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Erfolgstrainer Hans-Jürgen Kästl geht im Sommer

Angedeutet hatte er es gegenüber den Verantwortlichen bereits im Dezember 2016, nun ist es offiziell: Hans-Jürgen Kästl, seit Sommer 2015 Trainer der Bayernliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach, hat gegenüber der Mannschaft seinen Rücktritt zum Ende der laufenden Saison angekündigt.

Der Erfolgscoach begründete diesen zumindest bezüglich des phantastischen Saisonverlaufs ungewöhnlichen Schritt mit dem enormen Zeitaufwand wegen der weiten Anfahrten von seinem Lebensmittelpunkt Sulzbach seit fast zwei Jahren, den er nicht auf Dauer mit seinen beruflichen Verpflichtungen als eigenständiger Unternehmer in Einklang bringen könne.

Kästl: "Es waren zwei äußerst intensive Jahre, die viel Energie kosteten. Es ist daher jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt. Ich schließe eine Rückkehr in den Leistungssport nicht aus, aber sicherlich nicht im Frauenhandball. Ein Amt in der Bayern- oder Regionalliga kommt für mich nicht in Frage, da ich eine vergleichbar attraktive Aufgabe wie in Herzogenaurach nicht finden werde."

Akribischer Autodidakt

Diese Entscheidung gilt es zu respektieren, vor allem, wenn man weiß wie akribisch und intensiv der "Autodidakt" (so Kästl bei seinem Amtsantritt) sein Traineramt in Herzogenaurach erfüllt. Schon heute ist festzustellen, dass Kästl in dieser Zeit Ungewöhnliches vollbracht hat, denn die erste Saison war kaum weniger schwierig zu meistern als das aktuelle Spieljahr: Als er Abteilungsleiterin Christine Odemer sein Ja-Wort gab, standen gerade mal zehn Akteurinnen zur Verfügung, und nur unter extremem Aufwand gelang es damals ein wettbewerbsfähiges Team in die Saison 2015/2016 zu führen.

Zwar hatte sein langjähriger Vorgänger Udo Hermannstädter in seinen letzten zwei Jahren identische Personalengpässe, doch er war nicht nur mit den Gepflogenheiten in Herzogenaurach vertraut, hatte diese sogar jahrelang mitgeformt, sondern es war jeweils rechtzeitig abzusehen, welches Personal über die Spielzeiten hinaus bleiben würde, entsprechend früher konnte er personell aktiv werden. Kästl hingegen "sprang ins kalte Wasser" und gemeinsam mit den Minikader schaffte man am Ende einen großartigen achten Platz.

Als es Odemer vor einem Jahr dann gelang, Hermannstädter wieder für Aufgaben rund um die Abteilung einzubinden, schaffte es das "Dreigestirn" Odemer, Kästl und Hermannstädter im Sommer 2016 einen in jeder Hinsicht großartigen Mannschaftskader zu "basteln". Und Kästl konnte mit seiner ruhigen, kompetenten und engagierten Arbeit eine Mannschaft formen, die inzwischen weit über die Erwartungen hinaus erfolgreich ist, egal wie die aktuelle Saison am Ende ausgeht.

Bayerischer Pokalsieger und seit Monaten Tabellenführer in der höchsten Spielklasse des Freistaats belegen die hervorragende Arbeit von Team, Trainer und Umfeld.

Eine solch gravierende Personalie könnte natürlich maßgeblichen Einfluss auf den Ligaendspurt haben. Eigentlich! Denn wer allerdings die Spielerinnen und auch Kästl zwei Jahre lang begleitet hat, der weiß, dass sich alle Protagonisten keine Blöße geben werden, sondern unverändert engagiert arbeiten werden, um den Platz an der "Sonne" zu verteidigen. Zumindest zwei Tage nach der Nachricht zeigte sich die Mannschaft nicht geschockt: Gegen die HSG Fichtelgebirge gab es nach Anfangsschwierigkeiten einen ungefährdeten 32:18-Sieg.

Hans- Jürgen Kästl hat sich jedenfalls um den Frauenhandball in Herzogenaurach wie zuvor Hermannstädter verdient gemacht. Den Verantwortlichen sollte es mit den Erfolgen der letzten Monate zeitnah gelingen einen Nachfolger präsentieren zu können, erste Gespräche sind inzwischen aufgenommen worden.

Abteilungsleiterin Christine Odemer kommentiert den Abgang – und lässt die Tür gleich einmal offen für die Zukunft: "Es kam nicht überraschend, dennoch bedauere ich es sehr. Unsere Zusammenarbeit war stets vertrauensvoll und er hat sich voll für die Mannschaft eingesetzt, war auch immer für neue Ideen offen. Mir tut es leid, dass er geht, ich kann es aber gut verstehen. Ich hoffe dass der Spruch zutrifft, wonach man sich immer zwei Mal begegnet, und dies im positiven Sinn."

Ähnlich sieht das Lena Mergner, die Mannschafsführerin des Teams: "Natürlich bedauern wir es, dass Hans-Jürgen auf hört, respektieren aber natürlich seine Entscheidung." Es wird sich zeigen, ob Mittelfrankens derzeit bestes Frauenhandballteam ihrem oberpfälzischen Trainer zum Abschied den Meistertitel schenkt.

VOLKER SCHNELLER