Bericht vom Heimspiel der Damen I gegen Würm-Mitte

Favoritenrolle futsch
Damen müssen sich Würm-Mitte beugen

„Nun sind wir wenigstens die von Mitbewerbern ständig zugedachte Favoritenrolle los“, so ein nüchtern analysierender TS Trainer Hans-Jürgen Kästl kurz nach der 24:27 (Halbzeit 12:14) Heimspiel-Niederlage gegen den Aufsteiger HSG Würm-Mitte.

In einem insgesamt auf gutem Niveau stehenden Spiel des alten und neuen Tabellenführers aus Südbayern gegen den bisherigen Verfolger TS Herzogenaurach vor gut 100 Zuschauern stellten sich die Gäste exakt so vor wie es der TS- Coach im Vorfeld der Begegnung angekündigt hatte: Enorm „kniffig“, konditionell und technisch bestens ausgebildet und mit guter Moral ausgestattet.

Die mit 2 Ausnahmen körperlich deutlich kleineren, aber enorm beweglichen Gäste konnten über weite Strecken der Begegnung ihre Tugenden durchdrücken, bildeten mit einer massiven Abwehr, aus der mehrfach erfolgreich die eine oder andere Akteurin blitzartig in die Rückraumpässe der TSH hinein lief und den Ball abzufangen verstand, aber auch dies hatte Kästl ja zwei Tage vorher angekündigt. Fast überfallartig liefen dann alle Sechs in die Gegenstöße, wo zumindest vor der Pause TS Torfrau Ebersberger gar manch klare Torchance vereiteln konnte, darunter erneut 2 Strafwürfe.

Dermaßen im Tor stabil, kam man dann zunächst auch offensiv in Schwung. Nach neun Minuten lagen die Gastgeberinnen 4:2 in Front, was den Trainer der Gäste zur ersten Auszeit veranlasste. Wenig später hatte die HSG nicht nur ausgeglichen, sondern selbst zum 5:4 vorgelegt. Es war schon eindrucksvoll mit welcher Begeisterung alle Protagonisten der HSG ihrem Job nachgingen und mit extrem „bissigen“ Attacken die technischen Fehler bei den Gastgeberinnen hochschnellen ließ. Zudem wartete auch Gäste Torfrau Contro mit zahlreichen Glanzparaden auf, was zunehmend zur Verunsicherung bei den Kästl- Schützlingen führte.

Hier zeigte man anfangs erneut Schwächen bei der Kreisabwehr und als Kästl dies etwas korrigiert hatte, ließ man sich zunehmend von wenig spektakulären Rückraumwürfen, unbehindert aus 7-8 Metern abgeschossen, überwinden. Mit großem Aufwand gelang es der TSH dann doch primär sich durch Einzelaktionen von Erdmann und Bestle auf 10:7 abzusetzen. Doch die erwartete Sicherheit im Spiel blieb aus und die HSG konnte relativ unbeschwert das Geschehen wieder in die Hand nehmen, ihre 14:12 Halbzeitführung eine logische Folge.

So wie die Begegnung bis dahin verlief, konnte man den Gastgeberinnen zwar durchaus die Wende zutrauen, schon in den vergangenen Jahren hatte die TSH gar manchen auch noch deutlicheren Rückstand in den zweiten 30 Minuten wett gemacht. Andererseits war deutlich geworden, dass die HSG immer noch etwas zulegen konnte, und selbst das nachfolgende Kopf an Kopf- Rennen (35. Minute 15:15, 49. Minute 22:22) ist den Gästen mental leichter gefallen, fand man immer wieder einfache Wege zum Torerfolg. Vor allem aber machte sich die TSH selber das Leben schwer, allein sieben glasklare Torchancen wie sie freier kaum passieren und jeweils prima heraus gespielt, wurden fahrig vergeben.

Dass ein Aufsteiger auswärts cleverer auftritt als die hoch eingeschätzten Gastgeberinnen, ist zwar ungewöhnlich, wurde hier aber Realität. Mit ihrem enorm kompakten, dynamischen und abwechslungsreichen Auftritt wird die HSG Würm- Mitte auch auswärts zweifellos noch oft zwei Pluspunkte erspielen und erkämpfen.

Bei der TSH sollte man allerdings nicht lange frustriert dem Ergebnis nachtrauern, wichtig ist jedoch sich der noch etwas zu oft wiederholenden Fehler anzunehmen, sei es der mangelnden Kompaktheit in der Deckung, die einfach zu vielen Ballverluste schon im Niemandsland des Spielfeldes oder auch bei der Chancenauswertung. Gerade hier hat man noch viel Luft nach oben. Wenn aber zahlenmäßig aus dem Rückraum nur von der erneut großartigen Bestle sowie Erdmann echte Gefahr aus geht, ist man zu leicht auszurechnen. Daher wurde die noch verletzte Carole Mittelheisser im rechten Rückraum diesmal schmerzlich vermisst, fehlte es an der dynamischen Gegenbewegung im Rückraum sowie an Distanzwürfen von dieser Position. Eine aus dem TS- Lager nie erhobene Favoritenrolle ist man jedenfalls zunächst an die HSG Würm- Mitte los geworden.

Kästl: „Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, weil wir einem starken Gegner unterlegen waren und die vielen von uns vergebenen klaren Torchancen verdeutlichen, dass wir es hätten packen können. In den letzten 10 Minuten kam dann auch noch viel Pech dazu, und da kann man einen gut ausgebildeten Gegner nicht mehr aufhalten“.

TSH
Ebersberger und Bernhardt im Tor

Kräck, Stephan 2, Wedrich 1, Bestle 4, Probst 4, Mergner 3, Erdmann 8, Lang 1, Merz, Frank, Theobald 1 und Küffner

V.Schneller