Bericht vom Spiel der Damen I gegen 1.FC Nürnberg

Zehn Minuten lang war das Club-Tor wie vernagelt
Damen müssen sich im Derby in Nürnberg am Ende mit einem 21:21 zufrieden geben.

„Unsere Chancen im Spiel beim 1. FC Nürnberg sehe ich bei 50:50%“, so der Trainer des TS Herzogenauracher Bayernligisten Hans-Jürgen Kästl zwei Tage vor dieser Begegnung gegenüber unserer Zeitung. Nun wünscht sich bekanntlich jeder Trainer dass seine Schützlinge den ausgegebenen Vorgaben bestmöglich nachkommen, doch beim 21:21(Halbzeit 12:12) Unentschieden am Valznerweiher haben dies seine Akteure scheinbar doch etwas zu wörtlich genommen.

Zumindest nach den ersten 20 Minuten in der zweiten Halbzeit hatte man die Weichen auch zählbar auf Sieg gestellt, um dann aber durch etliche Fehler, darunter auch das Auslassen von vier glasklaren Chancen, die Gastgeberinnen wieder heran kommen zu lassen. „Aufgrund ihres Kampfgeistes hat sich der Club das Unentschieden letztlich durchaus verdient“, so ein etwas enttäuschter Gästecoach später.

Zunächst kamen die gut auf den Gegner eingestellten Herzogenauracherinnen etwas besser aus den Startlöchern und gingen mit 3:0 in Front, und dies trotz des in Nürnberg geltenden Harzverbotes. Umso unverständlicher dass man plötzlich den Faden verlor. Der „Club“ glich nicht nur aus, sondern konnte fortan ständig eine 2-3 Toreführung behaupten. Gegen Ende der ersten Halbzeit gelang es den Gästen aber dann doch sich halbwegs zu stabilisieren, was zum 12:12 Unentschieden beim Pausenpfiff führte.

Nach dem Wechsel fand die TSH langsam zu einem anspruchsvolleren Spiel und ging über 14:12, 17:14 bis zum 21:19 in Front. Dass man allerdings in den letzten knapp 10 Minuten keinen einzigen Treffer mehr landen konnte, die Gastgeberinnen ihrerseits in dieser Endphase ebenfalls nur noch zwei Mal erfolgreich waren, bestätigt Kästls Urteil von einer „Begegnung auf mäßigem Niveau“.

Und wenn es dann mal nicht mehr richtig läuft, kommen auch noch andere Unwägbarkeiten hinzu: So beanstandete der TS- Coach in dieser entscheidenden Phase die Aberkennung eines regulären Treffers von Amelie Theobald durch die ansonsten gut leitenden Unparteiischen, sowie 35 Sekunden vor Schluss eine über 59 Minuten hinweg völlig anders praktizierte Regelauslegung als die TS bei eigener 21:20 Führung im Ballbesitz war und er ein Time out vor nahm um seine Mannschaft auf die letzten Aktionen einzustellen.

Praktisch mit dem Anpfiff nach diesen 60 Sekunden Puase gaben die Zwei jedoch schon das vorgeschobene Handzeichen für Zeitspiel, was die Gäste derart irritierte, dass der Ball überhastet verloren ging und die Nürnbergerinnen vier Sekunden vor Spielende den Ausgleich erzielten. Daran wollte Kästl aber den Punktverlust nicht alleine fest machen, sondern sprach von einigen Baustellen, die nach erst zwei Spieltagen und mit einer personell derart veränderten Mannschaft verständlicherweise noch aufzuarbeiten seien.

So fehlte es diesmal an der Wurfgefahr aus der Distanz, zwei vergebene Strafwürfe trugen auch nicht zur offensiven Stabilität bei und daher sprach er nach dem Verlauf der 2. Halbzeit doch von einem verlorenen Punkt. Zufrieden zeigte er sich zumindest mit dem eigenen Abwehrverhalten nach der Pause, wo man nur noch neun Gegentreffer kassierte. In einer „sehr nickeligen und emotionalen Begegnung" so Kästl, konnten die Gastgeberinnen die TSH nicht mit neuen Impulsen oder taktischen Kniffen überraschen, mussten dies aber am Samstag auch nicht.

Vor allem Sandra Wild, die Kästl im Vorfeld schon als sehr torgefährlich eingestuft hatte, wurde dennoch zur überragenden Akteurin auf dem Feld, sie bekamen ihre Gegnerinnen nie in den Griff. Kästl meinte später mit einem Anflug von Galgenhumor, dass dies „die erste Begegnung der TSH in meiner Amtszeit war, wo man bei Harzverbot nicht deutlich verloren habe, sondern wenigstens einen Punkt gewinnen konnte“.

Dass es allein schon wegen der vielen klaren Torchancen die man allein in der Endphase vergab auch zwei hätten sein können, ja müssen, hat ihm sicherlich den Sonntag etwas verhagelt. Andererseits habe man auch unter Berücksichtigung der bisherigen Ergebnisse in der Liga gesehen,wie eng die Teams beieinander sind, da „macht es mir Mut zu wissen dass wir uns unter Einsatz auch der noch nicht verfügbaren Akteure deutlich steigern können und werden“.

TSH

Ebersberger und Bernhardt (Tor)

Kräck 1, Stephan 4, Theobald 2, Lang 1, Erdmann 2, Mergner 1, Küffner, Probst 3, Frank 1, Wedrich 6/4 und Friedl 1, Merz

Bericht aus "Nordbayerische Nachrichten" von V.Schneller